Onefootball
Helge Wohltmann

Wochenschau: Wie die Länderspielpause uns alle durchdrehen lässt


Am Ende kam es wieder wie erwartet. Trotz einiger Wackler in der Verteidigung wurde der schier übermächtig wirkende Tabellenführer aus Nordirland doch noch von der deutschen Nationalmannschaft bezwungen.

Dass es sich dabei angesichts der nordirischen Bevölkerungszahl genauso gut um die Hamburger Stadtauswahl hätte handeln können? Geschenkt. Dass sich Deutschland angesichts der Gegner Weißrussland, Estland und eben Nordirland eigentlich auch mit der U21 qualifizieren müsste? Auch egal.

Denn in Deutschland „haben wir EM-Alarm!“, wie die ‚Bild‘ nach der Niederlage gegen die Niederlande titelte. Da werden vermeintliche Fußballzwerge schnell zum Gradmesser einer gebeutelten Jetzt-Nicht-Mehr-Weltmeister-Nation. Plötzlich fiebern wir doch wieder vor dem Fernseher mit und blenden dabei erfolgreich aus, dass man sich für die EM mittlerweile leichter qualifiziert als für die Swinger-Party um die Ecke bei Zwanglos III.

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Auf Twitter schreiben sich die Fans die Finger wund und in manchem Medium wurde leicht hyperventilierend auch schon wieder von der drohenden Hammergruppe schwadroniert, die Deutschland in der Gruppenphase erwarten könnte, wohlweislich vergessend, dass Portugal zuletzt gefühlt Europameister wurde, ohne auch nur ein einziges Spiel gewonnen zu haben. Mit drei Unentschieden aus drei Spielen erreichten sie das Achtelfinale.

Warum also regen wir uns so auf? Warum verhalten wir uns so komplett irrational? Warum drehen wir alle so am Rad?

Es ist die Langeweile, die uns alle in der Länderspielpause befällt. Irgendwo müssen sie ja hin, die Emotionen, die wir am Wochenende nicht im Bundesliga-Stadion hinausbrüllen können. Mit irgendetwas müssen wir uns ja beschäftigen, wenn ‚Sky‘ eine Doku über die Lieblingsdönerbude der Leipzig-Stars bringen muss, statt über neue Transfers oder die Folgen der nächsten BVB-Niederlage diskutieren zu können.

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So appetitanregend die Info auch sein mag, dass Timo Werner seinen Döner am liebsten ohne Zwiebeln und Tomaten isst, den Hunger nach echtem Fußball stillt diese Neuigkeit dann doch nicht.

Was also sollen wir tun? Zumal in nur drei Wochen schon wieder die nächste Länderspielpause wartet.

Den besten Vorschlag dazu hat wohl Uli Hoeneß gemacht, der dem ganzen Wahnsinn einfach ein Ende bereiten möchte: „Man muss wirklich mal darüber nachdenken, ob man in der allerbesten Fußballzeit nicht die Bundesliga durchspielen lassen sollte“, schlug er in der ‚Abendzeitung‘ vor. „Die Länderspiele könnten auch im Januar stattfinden, wenn es kalt ist“, da die Bundesliga „eine ganz andere Attraktivität als diese Länderspiele“ habe.

Oder kurz gesagt: Packt die Länderspiele doch einfach als Block in den Januar, dann können wir uns in der Zeit einfach in den Skiurlaub verabschieden oder in fernen Ländern am Strand chillen. Zumindest für unsere mentale Gesundheit wäre das sicherlich nicht komplett verkehrt.