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Erik Schmidt

Wochenschau: Welcher deutsche Klub hat die besten Fans?


Achja, der Niko wieder. Während man dies von seinen Spielern aktuell nicht behaupten kann, weil sie zu selten das machen, was er ihnen sagt, liefert Kovač in feiner Regelmäßigkeit ab. Und zwar umstrittene Aussagen.

Dabei ist der Übungsleiter des FC Bayern eigentlich nur ehrlich. Was zu Zeiten, in denen der deutsche Rekordmeister einen 2:1-Last-Minute-Sieg beim VfL Bochum als „Top-Abend“ verbucht, nicht überall gut ankommt.

Erst bezeichnete er Thomas Müller als „Notnagel“, dann sprach er seinem Team im Vergleich zu Klopps Liverpoolern die nötigen PS ab und nun auch noch das: „Es wird ein heißes Spiel. Denn sie haben die besten Fans der Liga, das muss man ganz klar sagen.“ Boom! Gemeint hatte Kovač damit nicht den eigenen FC Hollywood und dessen Schickeria, sondern den kommenden Gegner aus Frankfurt. Der 48-Jährige muss es ja wissen. Schließlich coachte er die Hessen von 2016 bis 2018.

Dass in München nicht unbedingt jeder über diese Feststellung begeistert war, lässt sich durchaus nachvollziehen. Doch abgesehen davon. Stimmt das denn überhaupt? Sind die Eintracht-Anhänger tatsächlich die besten der Liga? Gar Deutschlands? Und anhand welcher Kriterien lässt sich eine solche Einschätzung eigentlich treffen?

Okay. Choreos, Fanmärsche und Gesänge bis die Stimme versagt – was die Frankfurter in den vergangenen Wochen und Monaten besonders bei den Veranstaltungen auf internationaler Bühne abrissen, war schon beeindruckend. Aber es läuft zurzeit eben auch einfach. Vergessen die Zeiten, als die Hessen Jahr für Jahr um den Klassenerhalt bangen mussten, als Christoph Daum als Heilsbringer galt und als die große Sturmhoffnung Theofanis Gekas hieß.

Ob sich der eine oder andere Eintracht-Sympathisant der neuesten Generation schon hat anhören müssen, ein Erfolgsfan zu sein? In München kennt man diesen Vorwurf nur zu gut. Doch nur weil man einen Verein unterstützt, der alle Spiele gewinnt, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass man ihn deswegen weniger liebt als leidgeprüftere Fans. Oder?

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Aber nun ja, wie echt Gefühle sind, zeigt sich eben am besten in Krisenzeiten. So gibt es Klubs, die ihre Anhänger mit schöner Regelmäßigkeit leiden lassen. Der Hamburger SV ist da wohl das beste Beispiel. Doch während die Rothosen immerhin noch bis 2018 erstklassig mitmischten, dümpeln einige Traditionsklubs schon seit Jahren in den Niederungen des Fußballs herum. Dennoch ist die Anhängerschaft in Kaiserslautern, Magdeburg und Dresden nach wie vor die größte Konstante.

Man nehme nur die Sachsen. Wie imposant waren die Bilder vom DFB-Pokalauftritt am Mittwoch, als die „Yellow Madness“ Einzug in Berlin hielt. Rund 30.000 SGD-Freunde hatten den Zweitligisten in die Hauptstadt begleitet. Nur um Haaresbreite wurde die Sensation im Elfmeterschießen verpasst. Der Anteil der Fans an einem etwaigen Triumph wäre, wenn auch nicht wirklich messbar, beträchtlich gewesen.

Allerdings waren und sind leider noch immer Teile der Dynamo-Kurve für ein ganz anderes, wesentlich hässlicheres Gesicht berüchtigt. Gewalt und Rechtsextremismus lassen sich seit Jahren nicht aus dem Rudolf-Harbig-Stadion vertreiben. Probleme, mit denen viele Profivereine zu kämpfen haben. So sorgten die Anhänger von Schalke und Dortmund beim Revierderby mit Pyrotechnik und dem Abfackeln geklauter Banner für mehr Gesprächsstoff als die 22 Akteure auf dem Rasen.

Die entgegengesetzte politische Einstellung proklamieren derweil die Anhänger des FC St. Pauli für sich. Nicht nur mit der kreativen Unterstützung ihrer Mannschaft, sondern auch mit ihrem sozialen Engagement stellen sie hierzulande etwas Besonderes dar.

Dass sich aber auch die Fans des Kiezklubs nicht nur an Halloween eine gruselige Maske überstülpen können, dokumentierten sie vor dem Aufeinandertreffen mit Eintracht Frankfurt am Mittwoch. Mehrere Hamburger attackierten neben einer Reihe Eintracht-Fans auch die Polizei. Spätestens mit dem Einzug des Hooliganismus in den 80er Jahren gehören solche Schlagzeilen zum Fußball wie der Capo auf den Zaun.

Auf ganz andere Art und Weise machten zuletzt unterdessen die Anhänger des SV Werder Bremen auf sich aufmerksam. Denn wie man hörte, hörte man nichts. Die Bremer Fans übten sich nämlich beim Duell mit Heidenheim im Stimmungsboykott. Grund war das Abhängen eines dem Namensgeber des Stadions an der Weser kritisch gesinnten Banners.

Das Immobilienunternehmen ist den Anhängern schon seit längerem ein Dorn im Auge, gleiches gilt für den Trikotsponsor der Hanseaten. So ist es eben oftmals auch an den Fans, auf Missstände aufmerksam zu machen. Der Dialog zwischen Kurve und Verein ist ohnehin von spezieller Bedeutung.

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Schön und gut! Aber – lieber Spieglein Spieglein an der Wand – welcher Verein hat denn nun eigentlich die besten Fans im ganzen Land?

Eine objektive Antwort ist aufgrund dieser so unterschiedlichen Facetten schlicht unmöglich. Es lassen sich jedoch ein paar Faktoren benennen, die gute Anhänger unbedingt mitbringen sollten: Leidenschaft, Engagement, Toleranz und Friedfertigkeit! Das dürfte wohl auch Niko Kovač unterschreiben.