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Erik Schmidt

Wochenschau: Auba und Aki stürmen als ‚Aasgeier Brothers‘ die Charts


Mit dem Jahr 1989 in einen Text einzusteigen, trifft sich aus aktuellem Anlass ganz gut. Schließlich legte vor 30 Jahren der Mauervorfall die Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung, die wir am vergangenen Donnerstag zum 29. Mal feiern durften.

Die kommenden Zeilen haben allerdings nur bedingt mit einer Wiedervereinigung zu tun. Denn im Jahr 1989 kam es auch zum Zerwürfnis der Popband ‚Clowns&Helden‘. Noch nie gehört? Kein Problem. Um die Jungs aus Hamburg soll es hier auch nicht gehen. In Dortmund und London kristallisierten sich nämlich in den zurückliegenden Tagen ehrenwerte Nachfolger der Kombo heraus. Nur ähnelten Hans-Joachim Watzke und Pierre-Emerick Aubameyang eher Vertretern des Rap, lieferten sie sich doch ein hitziges Battle.

Der BVB-Boss hatte vorgelegt und seinem ehemaligen Angestellten vorgeworfen, ihm werde wahrscheinlich warm ums Herz, wenn er auf sein Konto schaut. Doch: “ Mittwochs guckt er bei der Champions League regelmäßig nur im Fernsehen zu und ist traurig“, so Watzke weiter.

Dass wollte der Gabuner, der die Dortmunder im Winter 2018 für 63,75 Millionen Euro Ablöse Richtung Arsenal verlassen hatte, nicht auf sich sitzen lassen. Aubameyang holte zum Rückschlag aus und schimpfte Watzke einen Clown. „Für Sie ist es besser, wenn ich nie darüber rede, warum ich Dortmund wirklich verlassen habe. Ich erinnere mich noch, als Sie sagten, Sie würden Ousmane (Dembélé, d. Red.) nicht verkaufen. Als Sie dann die 100 Millionen gesehen habe, waren Sie der Erste, der das Geld genommen hat. Bitte, reden Sie nicht über Geld! Lassen Sie mich bitte in Ruhe“, lauteten die in einen Tweet verpackten Rhymes des 30-jährigen. Wer ist denn hier nun der gierige Aasgeier?

Tatsächlich erfreuten sich vor anderthalb Jahren wohl beide Seiten an den Summen, die plötzlich den Weg ins eigene Portemonnaie fanden. Während Aubameyang, der schon seit längerem mit einem Abgang aus Dortmund kokettiert hatte, seinen Willen bekam, bejubelte man bei den Schwarzgelben fortan eben andere Torjäger. Zunächst trieb der Batsman sein Unwesen in gegnerischen Strafräumen, ehe Paco Alcacer zum Superjoker avancierte. So schnelllebig ist eben das Geschäft.

Nicht ganz! Es gibt auch gegenteilige Beispiele. Gianluigi Buffon etwa. Dem Italiener, der kürzlich einen ganz speziellen Rekord feierte, fällt in dieser Geschichte die Rollen des Helden zu. Denn er bestritt sein 903. Spiel auf Vereinsebene. Keiner seiner Landsleute kommt auf mehr. Damit löste der 41-Jährige Paolo Maldini ab. Noch so ein Held. Während der Abwehrakteur in seiner gesamten Karriere lediglich die Farben rot-schwarz kannte, verteilen sich Buffons Einsätze nur auf drei Klubs. Die absolute Mehrheit davon absolvierte der Schlussmann im Kasten von Juventus Turin. Selbst als die Alte Dame 2006 den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste, folgte Buffon als amtierender Weltmeister.

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Kaum auszuschließen, dass es damals keine Angebote für den noch heute herausragenden Keeper gab. Aubameyang, der in seiner Profi-Laufbahn schon sieben verschiedene Trikots trug, hätte wohl die erstbeste Gelegenheit zum Abflug ergriffen. Und auch Watzke wären bestimmt zunächst nur die klammen Klubkassen in den Sinn gekommen. Doch es ist eben nicht immer nur das Geld, was glänzt. Manchmal sind es auch andere Werte wie Loyalität und Heimatliebe. Oder aber Uhren.

Letzteres dachte sich wohl auch Lamine Diaby-Fadiga. Ebenfalls noch nie gehört? Zu verkraften. Immerhin erlangte der Nachwuchskicker aus Nizza gerade unrühmliche Bekanntheit. So ließ der 18-Jährige nach einer Übungseinheit den 70.000 Euro teuren Chronographen seines Teamkollegen Kasper Dolberg mitgehen, um ihn anschließend zu verkaufen. Am Dienstagnachmittag trennte sich der Ligue-1-Klub daraufhin offiziell und fristlos vom Youngster. Verrückte Welt.

Doch zurück zu den ‚Clowns&Helden‘. Die hatten 1987 ihren einzigen großen Hit mit dem so einfallsreichen Titel: „Ich liebe dich“. Der erste gemeinsame Song der ‚Aasgeier Brothers‘ dürfte sich mit Sicherheit anderer Worte bedienen. Denn sollte es jemals derartige Gefühle zwischen Pierre-Emerick Aubameyang und Hans-Joachim Watzke gegeben haben, sind diese spätestens in dieser Woche erloschen.