„Dissens“ wegen Bus-Anschlag – Tuchel und Watzke streiten sich öffentlich

Onefootball Helge Wohltmann

Die Risse im Verhältnis zwischen Thomas Tuchel und der Vereinsführung von Borussia Dortmund treten inzwischen auch öffentlich immer mehr zu Tage.

Vor der wichtigen Partie gegen Hoffenheim reagierte der Trainer äußerst genervt und irritiert auf ein Interview von Hans-Joachim Watzke, das der Geschäftsführer kurz vor dem entscheidenden Spiel um die direkte Champions-League-Teilnahme gegeben hatte.

Watzke hatte Tuchel darin wegen dessen Kritik am Umgang mit der Attacke auf den BVB-Bus zurechtgewiesen. Vor allem die schnelle Ansetzung des Spiels auf den nächsten Tag war Tuchel missfallen: „Das hat die Uefa in der Schweiz entschieden. Das ist kein gutes Gefühl, es war ein Gefühl der Ohnmacht“, hatte er danach gesagt.

Mehrere Spieler seien nicht in der Verfassung gewesen aufzulaufen. Watzke sieht das anders, wie er in dem Gespräch mit Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte. Es gäbe da einen klaren Dissens zwischen Coach und Geschäftsführer, stellte der Fragesteller fest. „Das ist so, ja“, antwortete Watzke. Es habe dem Team freigestanden, nicht weiter in dem Wettbewerb anzutreten.

„Ich habe ja nicht umsonst der Mannschaft im Gespräch am Mittwochmorgen freigestellt, dass jeder Spieler, der sich nicht in der Lage fühlt zu spielen, das selbstverständlich bis zum Nachmittag sagen kann. Auch der Trainer hatte selbstverständlich das Recht, darauf hinzuweisen. Das ist gar keine Frage. Aber mit einem solchen Szenario bin ich kein einziges Mal konfrontiert worden.“

Tuchel wurde von Sky auf die Aussagen von Watzke angesprochen, woraufhin der 43-Jährige erst einmal tief Luft holen musste: „Ich verbiete mir, darüber nachzudenken. Das ist ein zu großes Thema für einen Spieltag. Da erlaube ich mir als Trainer, nicht darauf einzugehen. Es stehen so wichtige Spiele an, wir haben so große Ziele zu erreichen. Wir brauchen jetzt unseren Fokus für unsere Ziele auf dem Platz. Wir können uns nicht mehr ablenken lassen.“

Offensichtlich war er genervt, dass dieses Fass direkt vor dem Spiel aufgemacht worden war. Angesprochen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung sagte er nur knapp: „Ich nehme dazu keine Stellung.“

Schon länger hatte es Berichte gegeben, dass das Verhältnis zischen Tuchel und Vereinsführung belastet sein soll. Nun zeigte sich dies erstmals in aller Öffentlichkeit. Wie es nach der Saison weitergeht, steht noch nicht fest. Auch ein Abschied von Tuchel kann nicht ausgeschlossen werden.

In der Sommerpause soll Tuchels Arbeit neu bewertet werden. Watzke: „Wie immer bei analytischen Gesprächen“ gehe es dabei „ganz allgemein gesprochen neben dem Sportlichen um Dinge wie Strategie, Kommunikation, Vertrauen“. Trotz Vertrages bis 2018 könnte die Zusammenarbeit also schon in wenigen Wochen enden.