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Erik Schmidt

Trochowski zurück beim HSV: „Ich habe gelernt, damit zu leben“


Zwischen 2005 und 20011 trug Piotr Trochowski das Trikot des Hamburger SV, in der Folge spielte der einstige Nationalspieler noch für den FC Sevilla sowie den FC Augsburg, ehe er im Sommer 2016 seine Profikarriere verletzungsbedingt beendete. Nun ist der 35-Jährige zurück bei den Norddeutschen – als Akteur der dritten Mannschaft.

Am vergangenen Wochenende feierte Trochowski in einem Testspiel seine Premiere für das Oberliga-Team und glänzte dabei mit „tollen Pässen“, wie es auf der HSV-Homepage heißt. „Ich bin super im Team angekommen. Wenn man über längere Zeit nicht kickt, dauert es natürlich etwas, bis man wieder drin ist. Aber ich merke, dass es mit jeder Einheit besser wird“, so der schussgewaltige Mittelfeldakteur, der 35 Mal für die DFB-Auswahl auflief.

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Vor allem seine Gesundheit bereitete Trochowski nach seinem Abschied aus Hamburg immer wieder Probleme. „Den ersten Knorpelschaden hatte ich im Jahr 2012 beim FC Sevilla und musste mich daher am Knie operieren lassen. In den Jahren 2014 und 2016 folgten dann die nächsten Operationen an den Knien“, erklärt der Vize-Europameister und WM-Dritte, „mit jeder größeren Verletzung wird es natürlich schwieriger, sich wieder heran zu kämpfen. Ich habe schon nach den ersten Operationen gemerkt, dass ich es nicht schaffe, mein Level von früher zu erreichen. Obwohl ich mich besser ernährt habe, mehr trainiert habe, mich besser vorbereitet habe. Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass es durch die Verletzungen wohl dem Karriereende entgegengeht, auch wenn ich erst 29 Jahre alt war.“

Comeback bei van der Vaarts Abschiedsspiel

In Augsburg folgte der nächste Knorpelschaden, der Trochowski schließlich zum Aufgeben zwang. Nachdem sich der 1,69-Meter-Dribbler dem runden Leder zunächst völlig abwendete, gab er beim Abschiedsspiel von Rafael van der Vaart im vergangenen Jahr sein Comeback. „Das lief überraschenderweise sehr gut, die Knie haben gehalten und ich habe richtig viel Spaß gehabt. Danach dachte ich: Okay, bevor ich jetzt weiterhin nur um die Alster laufe, spiele ich lieber wieder Fußball“, so Trochowski, den Alexander Eckball, Mitglied im Amateurvorstand des HSV, anschließend zur Drittvertretung des langjährigen Bundesligisten lockte. Dort spielt er nun auch wieder mit Marcell Jansen zusammen.

„Es ist natürlich nicht so, dass ich die Beanspruchung nicht merke, aber ich habe gelernt, damit zu leben“, verrät Trochowski, der glücklich ist, überhaupt wieder auf dem Platz zu stehen können: „Meine drei Brüder haben alle in der Hamburger Oberliga gespielt. Deswegen ist es eine schöne Geschichte, dass ich als vierter Bruder jetzt auch in dieser Liga spiele.“