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Matti Peters

Havertz drängt sich auf: Wann traut sich Löw ihn zu bringen?


Kai Havertz kam im EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland erneut nur zu einem Kurzeinsatz. Löw will ihn langsam heranführen, die Presse und Experten fordern mehr Spielzeit und dem gegnerischen Trainer fiel beim Blick auf die deutsche Startaufstellung ein Stein vom Herzen.

In der Nachspielzeit zeigte der Bayer-Youngster, warum sich bei der deutschen Nationalmannschaft aktuell vieles um seine Person dreht. Ein überragender Schnittstellenpass auf Serge Gnabry zum 2:0. Eine solche Ruhe am Ball grenzt schon an Wettbewerbsverzerrung.

Es war ein weiteres Beispiel dafür, warum auch seine Mitspieler von der außergewöhnlichen Begabung des 20-Jährige überzeugt sind. Für Julian Brandt ist er das „größte Talent, das wir in Deutschland haben“, schwärmte er schon zu Zeiten, als die beiden noch gemeinsam auf Torejagd für die Werkself gingen: „Kai hat das Talent und das Potenzial, ein Weltstar zu werden.“

Große Befürworter von Kai Havertz gibt es schon eine Weile, aber Forderungen nach mehr Spielzeit für den Rohdiamanten im DFB-Dress werden zunehmend lauter. Der Druck auf den Bundestrainer steigt ebenfalls. Er hat die Qual der Wahl.

Ich habe das Zutrauen, dass er eine sehr, sehr gute Karriere macht

Im Anschluss an den 2:0-Erfolg in Belfast bemühte er sich um eine Erklärung, warum der 20 Jährige noch nicht die ganz große Rolle im DFB-Team einnehmen darf: „Kai Havertz hat wahnsinnige Qualität, aber Serge Gnabry oder andere haben auch ein bisschen gebraucht, bis sie in der Mannschaft waren“, sagte Löw dem ’sid‘. Außerdem brauche er „auch eine starke Bank“.

In gewohnt stoischer Ruhe mahnte der 59-Jährige zur Geduld. Havertz „wird seinen Weg machen und wir werden ihm dabei helfen. Aber es geht nicht immer von heute auf morgen“, so Löw. „Aber ich habe das Vertrauen, dass er eine sehr, sehr gute Karriere macht.“ Eine klassische Löw-Antwort. Er mimt den bedachten Entwickler.

Der Youngster selbst gab sich mit der nötigen Demut, aber auch selbstbewusst. „Das entscheidet am Ende der Trainer, ich kann mich ja nicht selbst aufstellen“, scherzt Havertz über seine Jokerrolle. Natürlich würde er gerne eine größere Rolle in der Rotation spielen, „aber ich bin keiner, der sich in den Vordergrund stellen will. Für mich steht die Mannschaft im Vordergrund.“ Eine klassische Antwort eines bescheidenen Diplomaten.

Nordirlands Trainer Michael O’Neill konnte die Entscheidung seines Trainerkollegen am Montagabend nicht ganz nachvollziehen: „Wir hatten Sorgen wegen Havertz und dachten, er würde beginnen. Er hat stark gespielt und wird ein Riesenspieler für Deutschland“, sagte er. Eine klassische Antwort eines Trainers, der gerne über so einen Talent Pool verfügen würde.

Wohl dem, der aktuell noch den Luxus genießt ein Spieler dieser Güte von der Bank zu bringen, nicht wahr Herr Löw?