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Benjamin Kuhlhoff

Dzsenifer Marozsán: „Schalke und der BVB sollten es versuchen“


Dzsenifer Marozsan ist nicht nur eine der besten deutschen Fußballerinnen, sie steht auch auf der Shortlist für den heutigen Ballon D’Or. Wir trafen sie bei der Präsentation des neuen Puma Future 5.1 und sprachen mit ihr über das Problem im deutschen Frauenfußball, ihr Lieblingsteam und natürlich ihren Schuh.

Dzsenifer Marozsán, wir sind hier bei der Präsentation Deines neuen Schuhs, dem Puma Future 5.1. Wie fühlt sich der neue Schuh für Dich an?


Der Schuh ist sehr leicht und sitzt total gemütlich am Fuß. Das ist für mich auf dem Rasen das wichtigste, was ich von einem Schuh verlange. Ich sehe mich als kreative Spielerin und deswegen ist es wichtig für mich, dass ich den Ball mit jedem Pass und mit jedem Schuss am Fuß spüre. Diesen Anspruch erfüllt der neue Schuh absolut. Ich mag ihn sehr.

Die Farbe sticht ins Auge: himmelblau. Und auch da kann man ja eine gewisse Verbindung zu Dir sehen. Immerhin hast du vier Champions-League-Titel gewonnen, drei davon nacheinander. Du greifst sozusagen jedes Jahr nach den Sternen. Wie fühlt es sich an, wenn man so oft einen der wichtigsten Titel im Weltfußball gewinnt?

Diese Titel gewinne ich ja nicht alleine, sondern auch weil ich einem so guten Verein spiele (lacht). Ich habe einfach fantastische Mitspielerinnen. Es macht Spaß, in dieser Atmosphäre zu kicken.

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Flashhhhhhhh 🌩🌩🌩 @pumafootball

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Den letzten Titel habt ihr in Budapest gewonnen. Du bist dort geboren. War dieser Triumph deswegen besonders für Dich?

Ja, das war unglaublich. Es war das erste Mal in meinem Leben, das meine komplette Familie alle gemeinsam im Stadion war, um mich spielen zu sehen. Ein ganz spezieller Moment für mich. Dass ich dann noch in den ersten fünf Minuten ein Tor erzielen konnte, war wie ein Hollywood-Film für mich. Ein perfekter Tag.

Eine Grundidee des neuen Schuhs ist der Blick in die Zukunft. Im kommenden Sommer wartet die EM, die deutsche Mannschaft muss sich nach der WM neu definieren. Wie siehst Du die Situation in der Mannschaft und was erwartest Du von der Euro 2021?

Unser Hauptziel ist erstmal, dass wir uns für die Euro 2021 qualifizieren. Wir müssen konstanter werden, mit jedem Sieg werden wir stärker. Dann bin ich optimistisch für den kommenden Sommer.

Almuth Schult, Deine Kollegin aus der Nationalmannschaft, bemängelte zuletzt, dass der deutsche Fußball in eine Art Tiefschlaf verfallen. Sie verwies auf den englischen Fußball, wo in allen Bereichen Aufbruchstimmung und Wachstum herrscht. Teilst Du ihre Meinung?

Ich würde nicht sagen, dass der deutsche Fußball eingeschlafen ist. Was ich aber beobachte, ist, dass vor allem der Frauenfußball in allen Ländern wächst und wichtiger wird. In Deutschland waren wir immer Vorreiter und diese Rolle müssen wir wieder annehmen, denn anderen Nationen haben aufgeholt. Zur Zeit sind manche Nationalmannschaften vor uns, also müssen wir wieder härter daran arbeiten nach vorne zu kommen.

Ein Grund könnten auch die Vereine in Deutschland sein. Während die großen Klubs in Spanien und England, wie Real Madrid und Manchester United, Frauenteams haben, gibt es in Deutschland große Vereine ohne Frauenteams. Dortmund und Schalke sind die zwei bekanntesten Beispiele. Welche Nachricht möchtest Du den Machern der Verein zukommen lassen?

Ich weiß nicht, was das Problem ist, aber ich kann mit Sicherheit sagen: Es gibt eine Menge Mädchen, die gerne Fußball spielen würden. Auch in Dortmund und auf Schalke, gerade weil diese beiden Vereine so viel Tradition haben. Vielleicht sollten sie es einfach mal versuchen, denn beide Vereine haben die Kraft, Frauenteams zu ermöglichen. Gerade weil sie so große Vereine sind. Ich wünsche mir also, dass wir in Zukunft lesen werden, dass beide Vereine Mannschaften in der Frauen-Bundesliga haben wollen.

Kommen wir noch mal zum Schuh. Der Puma Future 5.1 ist speziell für schnelle und bewegliche Angreifer designed. Wer ist für Dich die perfekte Verkörperung eines solchen Spielers?

Mmmm, ich würde Marco Reus wählen. Praktischerweise trägt er den Schuh ja auch.

Meine Kollegen vom französischen Newsteam bei Onefootball haben noch eine Frage an dich: Nachdem ihr mit Lyon 13 Mal in Folge die Meisterschaft gewonnen habt: Wie motiviert euch euer Trainer Woche für Woche aufs Neue?

Es stimmt, die Zahl klingt verrückt. Ich kann nur sagen, dass wir jeden Tag auf höchstem Niveau trainieren. In jedem Training herrscht Wettbewerb, bei uns wollen alle einfach immer gewinnen. Ich denke, dass motiviert uns alle jeden Tag.

Wir haben bereits darüber gesprochen, dass der Frauenfußball in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. Aber er ist auch noch nicht allzu lange her, dass man im Frauenfußball keine professionellen Bedingungen vorfand, viele Erstligaspielerinnen haben bis heute Jobs neben dem Fußball. Was würdest Du jungen Mädchen mitgeben, die die nächste Verónica Boquete, Marta oder Dzsenifer Marozsán werden wollen?


Ich würde sagen: Glaub an dich! Alles ist möglich, wenn man es nur wirklich will. Natürlich gehört manchmal auch Glück und Gesundheit dazu, aber das Wichtigste ist, dass du das Spiel genießt. Du musst hart daran arbeiten. Das Gefühl, wenn man dann eines Tages einen Titel holt, ist unglaublich.

Letzte Frage: Wie sind momentan in Spanien und Real Madrid wird ab der kommenden Saison ein Frauenteam haben. Der FC Barcelona ist bereits stark, nicht zuletzt waren sie euer Gegner im Champions-League-Finale 2018/19. Wenn du die Wahl hättest: Zu welchem Verein würdest du gehen?

Ich mag Real Madrid. Deswegen fällt meine Wahl auf die Königlichen.

Dann rufe ich mal direkt Florentino Perez an.

Vielleicht komme ich in ein paar Jahren darauf zurück. (lacht)