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Niklas Levinsohn

Die neuen Buli-Trainer: Wagner ist kein Klopp, Köln wird zur Maschine


Im zweiten Teil unseres Trainer-Checks stellen wir dir die neuen Gesichter auf Schalke, in Sinsheim und Köln vor. Und den Held von Paderborn.

David Wagner: Das böse Wort mit K

An welches auch immer du gerade denken musstest, wir meinen dieses hier: Klopp. Vergleiche mit dem Liverpool-Coach gehören im Leben des Cheftrainers David Wagner nämlich zu den Dingen, die sich einfach nicht vermeiden lassen. Zu naheliegend die optischen Parallelen, zu groß die Gemeinsamkeiten des Spielstils, zu eng die Freundschaft, die die beiden seit Mainzer Zeiten verbindet.

Wagners fußballerischer Lehrmeister ist jedoch ein anderer gewesen. „Was die Spielidee betrifft, bin ich von Ralf Rangnick geprägt worden“, erklärte der 47-Jährige schon dem ‚kicker‘. Die beiden begegneten sich, als der Ex-Profi seine Trainerkarriere im Nachwuchsbereich der Hoffenheimer startete. „Besonders in meinem ersten Jahr hat mich Ralf als A-Jugend-Trainer viel teilhaben lassen. Ich war oft beim Training der Profis dabei, mit im Trainingslager in Österreich und habe so viele Insider-Einblicke bekommen.“

Taktisch ordnet Wagner seine Elf bevorzugt im 4-2-3-1 an, besonders die defensiven Außenbahnen sind Schlüsselpositionen, da der Eurofighter von 1997 dort von seinen Spielern Drang nach vorne und entsprechende technische Beschlagenheit verlangt. Dass er auch anders kann, hat er in Huddersfield bewiesen. Die Terriers verteidigten gerne auch mal zu fünft, um der besser besetzten Konkurrenz das Leben schwer zu machen.

Das Gewand des Underdogs wird Wagner jedoch auf Schalke abstreifen müssen. Die Erwartungshaltung von außen und die Finanzkraft seines Arbeitgebers lassen das nicht zu. Sollte der Klopp-Vergleich am Ende der kommenden Saison also immer noch greifen, dürfte sich der Übungsleiter der Knappen glücklich schätzen. Der gilt nämlich nur im Erfolgsfall.


Alfred Schreuder: Raus aus dem Schatten

Schreuders Wunsch-Fußball lässt sich gar nicht so leicht identifizieren. Schließlich verbrachte der Ex-Profi die letzten vier Jahre als Co-Trainer im Kraichgau und in Amsterdam. Der niederländische Sportjournalist Joep Schreuder, weder verwandt noch verschwägert, beschrieb die Philosophie des 46-Jährigen gegenüber dem ‚SWR‘ so: „Sein Spiel ist nicht re-aktiv sondern pro-aktiv. Hoffenheim soll der Chef auf dem Platz sein.“

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Fortan ist Schreuder der Chef an der Seitenlinie, tritt jetzt aus dem Schatten klangvoller Namen wie Julian Nagelsmann und Erik ten Hag. Dass er das kann, steht für seinen Bruder Dick, der ihm bei der TSG assistiert, außer Frage. „Alfred wurde für den Cheftrainer geboren. Schon als Spieler war er eine Art Trainer, der taktisch sehr stark ist und Dinge sieht, die andere nie sehen. Er ist ehrlich und hart, aber auch menschlich“, so der Assistent aus der eigenen Familie zur ‚Bild‘.

Alles Dinge, die man über seinen Vorgänger wohl auch sagen würde. Ob er genauso erfolgreich wird, hängt auch davon ab, wie gut Schreuder das Mehr an Verantwortung managt. Der penible Videoanalyst darf beim Blick aufs Kleine nicht das große Ganze aus den Augen verlieren.


Achim Beierlorzer: Die gut geölte Maschine

Wie unangenehm eine von Achim Beierlorzer trainierte Mannschaft für den Gegner sein kann, bekam der 1. FC Köln am vorletzten Spieltag der abgelaufenen Saison selbst zu spüren. Mit einem 5:3-Sieg in der Domstadt crashte der SSV Jahn Regensburg die Aufstiegsparty der Geißböcke. „Aggressive Balljagd, eklig für den Gegner zu sein, frühes Attackieren oder den Gegner weit weg vom eigenen Tor zu halten“ sind die Tugenden seines Ex-Teams gewesen, die der 51-Jährige selbst im Interview mit dem Portal ‚Onetz‘ schilderte.

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Auf große Systemwechsel verzichtete Beierlorzer in seinen zwei Jahren beim Jahn. Stattdessen wurde das 4-4-2 mit Doppelsechs von Woche zu Woche mehr eingeschliffen und machte die Regensburger letztlich zu einer gut geölten Maschine, deren Motor selten stotterte. In Köln wird es noch eine Weile dauern, bis die Rädchen ähnlich reibungslos ineinandergreifen. Aber die Rezeptur, mit der der Mathe- und Sportlehrer seinen alten Verein zwei Mal in der 2. Bundesliga gehalten hat, könnte auch für den Effzeh die richtige Mischung sein.


Steffen Baumgart: Bloß nicht zu kompliziert

Zu Spielerzeiten war Steffen Baumgart im Grunde überall, wo er den Rasen beackerte, Publikumsliebling. Der inzwischen 47-Jährige brachte nämlich an guten wie an weniger guten Tagen immer das mit, was jeder Zuschauer auf der Tribüne gerne sieht: Leidenschaft. Und die verlangt er auch von seinen Schützlingen. „Als Erstes geht es um Mentalität. Laufbereitschaft und Leidenschaft“, erklärte der Paderborn-Coach im Interview mit ’11Freunde‘.

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Nur weil Baumgarts Mannschaften kampfbetont auftreten, spielen sie aber noch lange keinen unansehnlichen Rumpelfußball. Im Gegenteil. Fans wie Experten sind sich einig, dass der SC Paderborn wohl nie schöner anzusehen gewesen ist als in den letzten zwei Jahren. In der Vorsaison preschten die Ostwestfalen meist aus einem 4-1-3-2 heraus nach vorne und waren hinter dem 1. FC Köln mit großem Abstand die torgefährlichste Mannschaft der Liga.

Dass es so in der Bundesliga nicht weitergehen kann, wird Baumgart selbst am besten wissen. Der SCP-Coach muss nun einen Weg finden, der Abwehrarbeit mehr Platz einzuräumen, ohne dabei sämtlichen Offensiv-Esprit einzubüßen. Wenn ihm das gelingt, können die Paderborner ein unangenehmerer Gegner werden als sie noch vor fünf Jahren waren.