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Konstantin Keller

DFB setzt Kollektivstrafen für Fans aus und sucht Dialog


Der DFB hat am Mittwoch erklärt, „bis auf Weiteres“ auf Kollektivstrafen für Fans, „deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist“ verzichten zu wollen.

Das bedeutet, dass Bestrafungen wie Blocksperren, die in der Regel in erster Linie unbeteiligte Fans treffen, der Vergangenheit angehören könnten – wenn sich das Modell bewährt.

„Mich hat in den vergangenen Wochen und Monaten sehr betroffen gemacht, dass es im Zusammenhang mit Fußballspielen zu martialischen Aufmärschen, „Kriegserklärungen“ und menschenverachtenden Aktionen gegen Mannschaften und deren Fans gekommen ist. Dafür darf der Fußball in Deutschland nicht stehen. Damit muss Schluss sein“, beginnt das Statement von Reinhard Grindel auf der Website des Verbandes.

„Auf der ganzen Welt wird Deutschland um seine gute Stimmung in den Stadien beneidet. Fankulturen mit ihren beeindruckenden Choreographien, kreativen Aktionen in den Stadien und gesellschaftlichem Engagement außerhalb schaffen eine einzigartige Atmosphäre“, erklärt der DFB-Präsident.

„Wir haben verstanden, dass es um mehr geht. Der Fußball in Deutschland steht auch für Stehplätze, faire Eintrittspreise und die 50+1-Regel“, fährt Grindel fort. „Der DFB meint es mit dem Angebot zum Dialog ernst und empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist. Wir wollen für diesen Zeitraum keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder „Geisterspielen“. Die Unabhängigkeit der DFB-Sportgerichtsbarkeit bleibt davon unberührt.“

Damit geht der Verband den von aktiven Fans seit lange vermissten Schritt auf die organisierten Anhänger zu. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich zuletzt die Kritik am DFB häufte und erst am Montag die Partie zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC von schwerem Fehlverhalten von Anhängern beider Klubs überschattet wurde. Zudem wird verkündet, den Dialog mit Fanvertretern wieder aufzunehmen. Das Bündnis „Pro Fans“ hatte zuletzt einen offenen Brief an DFB-Präsident veröffentlicht und „flächendeckenden Widerstand“ gegen den Verband angekündigt (Mehr Infos hier)

„Es ist Zeit zum Innehalten. Es ist Zeit zum Umdenken“, heißt es nun in der Mitteilung des DFB. Wenn beide Seiten dazu bereit sind, könnte es ein großer Schritt zur Deeskalation zwischen Verband und aktiven Fans sein.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung und der Vorstoß des Verbandes sind durchaus clever, weil man nach Monaten der Kritik nun auf die Fans zugeht und die Verantwortung für ihr Handeln in die Hände der aktiven Fanszenen legt.

Es wird spannend sein wie die aktive Fanszene auf das Angebot des DFB reagiert.

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