Auschwitz-Besuch statt Stadionverbot: Chelsea setzt auf Lerneffekt

Onefootball Niklas Levinsohn

Der FC Chelsea bietet Fans, die sich rassistisch oder antisemitisch äußern, als Alternative zum Stadionverbot eine Bildungsreise nach Auschwitz an.


Roman Abramowitsch hat selbst jüdische Vorfahren. Umso mehr muss es den Chelsea-Eigentümer schmerzen, wenn ausgerechnet unter den Fans seines Vereins ein Problem mit Antisemitismus deutlich wird. So zum Beispiel im September des vergangenen Jahres, als eine Gruppe von Anhängern der Blues den Stadtrivalen Tottenham Hotspur mit antisemitischen Schmähgesängen bedachte. Die im Osten Londons beheimateten Spurs haben traditionell eine große jüdische Fangemeinde.

Zwar konnten die Täter damals identifiziert und gesperrt werden, aber der aktuelle Tabellenzweite möchte sich nicht mehr mit dem bloßen Verhängen von Stadionverboten zufriedengeben. „Wenn man die Menschen nur sperrt, wird man das Denken nicht verändern“, so Bruce Buck, Vorstandsvorsitzender des FC Chelsea. Stattdessen sollen die auffällig gewordenen Fans nun vor die Wahl gestellt werden, ihre Dauerkarte abzugeben oder aber an einer Bildungsreise nach Auschwitz teilzunehmen. Das berichtet die ‚Sun‘.

Die Vorzüge dieser Handhabung sind für Buck offensichtlich: „Diese Strategie gibt ihnen die Möglichkeit zu realisieren, was sie getan haben.“ Im Kampf gegen Antisemitismus im Sport nimmt der sechsfache englische Meister damit eine Vorreiterrolle ein. Im März dieses Jahres besuchte eine Delegation des Klubs das ehemalige Konzentrationslager, um an einem Gedenkmarsch teilzunehmen. „Die Reisen nach Auschwitz waren sehr wichtig für uns. Wir wollen Vorbild sein für andere Klubs und auf ein Problem aufmerksam machen, das in unserem Fußball immer noch existiert“, so Buck. Nicht nur im Fußball.